Alles super am Dümmer? Leserbrief von Michaela Köhr-Eickhoff im Diepholzer Kreisblatt (11.07.2013).

Leserbrief-11072013Wer die Berichterstattung im Diepholzer Kreisblatt in der letzten Zeit verfolgt hat, der könnte doch wirklich meinen, die Lage am See ist eigentlich ganz gut. Denen, die genauer hinsehen, geht da doch langsam der Hut hoch!

Der Wettergott hat uns zwar einige Tage lang gnädig Ostwind beschert, so dass die sich bereits bedrohlich angesammelten Blaualgenmassen weiter auf den See hinausgetrieben sind und die Situation am Ufer sich etwas entspannt hat. Wer jedoch einmal auf den See hinausfährt, sieht, was uns in allernächster Zeit bevorsteht. Der See ist randvoll mit Blaualgen und darüber hinaus auch mit Unterwasserpflanzen, die sich in diesem Jahr in der langen Klarwasserphase massenhaft entwickelt haben. Sowohl die Massen von Blaualgen als auch die Unterwasserpflanzen, die ihre Vegetationsperiode jetzt annähernd beendet haben, werden bald absterben und dabei enorme Mengen Sauerstoff verbrauchen. Der Ostwind wird nicht mehr lange andauern und die stinkenden Massen treiben an die Ufer, in die Häfen und an die Badestrände. Ein Grauen für jeden Besucher. Es bildet sich wieder neuer Schlamm, der sich auf dem Seeboden ablegt und mit großem finanziellen Aufwand wieder abgepumpt werden muss, um die Nutzbarkeit des Sees wenigstens notdürftig zu erhalten.

Die bunten Fähnchen am See und schöngefärbte  Artikel mit Fotos aus dem Archiv sollten uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass bis jetzt für den See noch gar nichts erreicht wurde. Ich begrüße den 17-Punkte-Plan zur Rettung des Dümmers ausdrücklich. Aber bislang ist er nur beschriebenes Papier. Die Phosphatwerte sind genauso hoch wie in den  letzten Jahren.

Die Landwirtschaftskammer hat versprochen, den Düngemitteleintrag im Einzugsgebiet des Sees um 30 % zu senken. Wir wollen da jetzt Fortschritte sehen!

Das nächste Badeverbot wird kommen, sobald der Wind sich dreht. Der nördliche Teil des Sees ist mit Segelbooten nicht mehr befahrbar. Zahlreiche Segler haben ihre Boote dieses Jahr nicht zu Wasser gelassen oder sind bereits abgewandert.

Es steht uns hier am Dümmer das Wasser bis zum Hals. In dieser Situation ist es bekanntlich ungesund , den Kopf hängenzulassen, aber ein bisschen mehr Realismus in der Darstellung des Sachverhalts ist wirklich angebracht.

Die letzten Berichte in der Kreiszeitung zeichnen ein Bild der heilen Welt am Dümmer, wie wir es uns hier erträumen. Wenn solche Meldungen in die Köpfe der Entscheidungsträger für die Dümmersanierung gelangen, könnten die zu dem Schluss kommen, dass alles in  Ordnung sei und das Thema Dümmer zu den Akten gelegt werden kann. Und genau das darf auf keinen Fall passieren!

Leserbrief vom

Über Michaela Köhr-Eickhoff

Michaela Köhr-Eickhoff ist eine echte Dümmeranerin. Nachdem Sie früher als Wochenend- und Urlaubsgast regelmäßig am Dümmer war, wohnt Sie seit langem fest in Lembruch und vermietet dort u.a. Ferienhäuser.

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5 Kommentare
  1. Gerhard Schulte-Berndt sagt:

    Hallo,
    wir haben nach 50 Jahren Dümmer ( Segelboot und
    Wohnwagen) abgebaut und den Campingplatz ver-
    lassen. Es tut in der Seele weh, wenn man sieht,
    wie ein schönes stückchen heile Welt langsam
    zugrunde geht.

  2. Detlef Joost sagt:

    Mein Dank an alle, die mit Wort und Tat die Dümmer-Genesung unterstützen. Ich glaube aber nicht, dass mehrere hundert neue Ferienhäuser und Appartements die Lösung sind. Die absehbaren Folgen kann auch ein Politiker erkennen.

  3. Ernst-August Potthoff sagt:

    Wir waren auch sehr lange Dümmeraner, 30 Jahre lang.
    Jetzt sind wir froh, an der Ostsee zu leben.

    Am Dümmer wird sich wegen der Landwirtschaft(-slobby) nichts ändern, bis der zugeschüttet werden muss.

    Wenn dort dann ein Golfplatz entstanden ist, können die Bauern fortan ungestört ihre Gülle weiter in der Natur verklappen.

  4. Sabine Noack sagt:

    33 Jahre waren wir am Dümmer quasi „zu Hause“. Gerne fuhren wir als Familie dorthin und… ich sehe noch meine Kinder in dieser damals „heilen“ Welt am Dümmer aufwachsen.
    Aber nach und nach starb dieses Idyll und verbreitet hat sich der bestalisch stinkende faulige Geruch, der nicht nur die Fische vertrieb, sondern auch viele Feriengäste. Leerstehende Campingplätze zeugen von dem Wegfall dieser Idylle, was sehr bedauerlich ist, weil so auch keine neuen Touristen hinzukommen.
    Es ist schade, dass eine Naturlandschaft – die das Gebiet um den Dümmer eigentlich sein sollte – soooo verschandelt wird.
    Ich denke, nur gemeinsam wird man Herr der Lage, bevor nichts mehr rettbar ist.

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