Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben: Oder Nitrat gegen Blaualgen einsetzen ?

Aktuell laufen am Dümmer zwei Testversuche bei denen die Folgen des Blaualgenabsterbens – vor allem der bestialische Gestank – durch „kontrollierte“ Zugabe von Nitrat minimiert werden sollen.

Man fragt sich natürlich schon, ob dies eine wirkliche sinnvolle Maßnahme ist!

Hier zwei entsprechende Artikel aus der Kreiszeitung zum Thema:

  1. Erste Hilfe gegen Blaualgen nach dem Kläranlagen-Prinzip / Noch kein Einsatz – Sauerstoff gegen Gestank
  2.  Wir sind auf Abruf bereit Nitrat einzuleiten!

Zu dieser umstrittenen Maßnahme gibt es auch eine Stellungnahme des SCED:

In der letzten Zeitungsausgabe vom 30.7.12 im Diepholzer Kreisblatt ist beschrieben worden, dass Nitrate dem Wasserauslauf zur Lohne zugegeben werden, damit die Geruchsbelästigung der Lohne, die durch Diepholz fliest, gemindert wird. Es sind schon genug Nitrate und Phospathe im Dümmer. Dieses Foto ist heute gemacht worden im Hafen vom SCLD. Hier stehen 6 Behälter a 1000 Ltr. Und dies wird durch einen ständig durchfließenden Schlauch ins Wasser ein dosiert.
Auf der einen Seite wird dafür gesorgt, weil das Trinkwasser zu hohe Nitratbelastung hat, das Nitrat zu reduzieren, auf der anderen Seite kippt man hier Unmengen von Nitrat in die Lohne, um den Gestank in Diepholz zu reduzieren. Die Blaualgen verschwinden dadurch nicht. Hier können Nitrate durch das Grundwasser ins Trinkwasser gelangen. Tatsache ist, dass zu hohe Nitratbelastungen im Trinkwasser gefährlich sind, besonders für Babys bis zum 6. Lebensmonat.
Es ist nicht zu begreifen!

Unser Vorschlag seit langen Monaten als Segelclub SCED an alle Behörden von Lemförde Herrn Spreen, über den Landrat van Lessen Diepholz, über NLWKN Sulingen Herrn Prante, und über den Seebesitzer Niedersachsen NGLN Herrn Schlösser Hannover, sogar bis zum Minister McAllister im Landtag Hannover haben bisher nur Absagen gebracht.

Immer wieder kommen die gleichen Ausreden oder man gibt sie an übergeordnete Stellen weiter. Man beharrt auf das 16-Punkte-Programm, wo so etwas nicht vorgesehen ist. Und dann darf es auch nicht von außen vorgeschlagen werden!

Keiner der Herren hat sich bisher die Mühe gemacht, sich den Entenfang am Dümmermuseum anzusehen, der von stinkig, schwarz und modderich nun ein klarer völlig sauberer Teich ist. Hier waren diese Mikro-Organismen am Werke!

16 Punkte Plan vom Dümmerforum
unter Maßnahmen zur Dümmer-Restaurierung Punkt 3 “Alternative Möglichkeiten”

3. Darstellung und Diskussion alternativer (innovativer) Möglichkeiten zur Bekämpfung der Eutrophierung im Dümmer und zur Vermeidung akuter Beeinträchtigungen des Fremdenverkehrs.

Alternative Vorschläge mit Mikro-Orgasnismen gegen Blaualgen liegen Sulingen, Diepholz und Hannover vor, aber man lehnt ab ohne nähere Prüfung und ohne den angebotenen kostenlosen Testversuch durchzuführen. Es muß für den Dümmer und den Anwohnern wohl noch viel schlimmer kommen mit Gestank, Badeverbot und geschlossenen Blaualgen-Teppich, und Fischsterben wie im letzten Jahr … aber die Verantwortlichen sitzen weit entfernt vom Dümmer.

Über Thomas Bunte

Thomas Bunte ist freiberuflicher Projektleiter und Web-Entwickler, aber vor allem überzeugter "Dümmeraner". Von Geburt an verbringt er die Wochenenden und weite Teile der Ferien am Dümmer!

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2 Kommentare
  1. M. Winter sagt:

    Hallo Herr Bunte,

    ich bin auf der Suche nach anderen Informationen auf Ihre spannende Seite gestoßen.
    Gestatten Sie mir bitte einige Hinweise.

    Das zu dosierte Nitrat – Ältere werden es noch unter der Bezeichnung Salpeter kennen – dient bei der hier beschriebenen Anwendung als chemischer Sauerstofflieferant.
    Beim biologischen Abbau der Blaualgen wird der im Wasser gelöste Sauerstoff verbraucht. Solange genügend Sauerstoff vorhanden ist zu geruchsarmen Stoffen (Mineralisation).
    Ist der Sauerstoff verbraucht erfolgt anaerober Abbau der als Fäulnis bekannt ist. Dabei entstehen die stinkenden Abbauprodukte wie Buttersäure, Amine, (….) nicht zuletzt auch Schwefelwasserstoff. Teilweise wird durch die Bakterien auch Sulfat zum Schwefelwasserstoff umgewandelt.
    Wenn Nitrat vorhanden ist spalten die Bakterien daraus den Sauerstoff ab, um mit diesen die organische Substanz der Algen zu Kohlendioxid und Wasser zu zerlegen.
    Das Nitrat wird über Nitrit zu Stickstoff umgewandelt der in die Luft entweicht. Dieser Prozess der NITRIFIKATION wird in modernen Kläranlagen genutzt um Abwasser den Stickstoff (=Nitrat) zu entziehen. Dazu wird den vorgeklärten Abwasser ein organisches Material zugegeben, um dies zu „fressen“ – wird das Nitrat verbraucht.
    Die Prozesse sind noch etwas komplexer – aber solange noch Algenpampe im Wasser ist ist die Gefahr gering das Nitrat ins Grundwasser gelangt.

    „Es ist nicht zu begreifen!“ – Doch wenn man die Hintergründe kennt.

    Michael Winter

  2. Werner Friese sagt:

    In den Nachrichten des NDR habe ich gestern von der sich erneut anbahnenden Katrastrophe am DS erfahren und den geplanten NO3 Gegenmaßnahmen, die kurzfristig unausweichlich sein sollen. Diese Maßnahme täuscht politisches Handeln vor aber verschlimmbessert das Problem und ist unverantwortlich. Erneut wird politischerseits und behördlicherseits das entbehrliche Nahrungsmittel Fleisch gegen das unentbehrliche Lebensmittel Trinkwasser vernachlässigt, denn unausweichlich erhöht sich der NO3-Gehalt des bereits hochbelasteten Grundwassers. Es muß doch noch vernünftige deutsche Politiker und Beamte geben, auch mit christlichem Menschenbild, die trotz sicherer eigenen Versorgung sich dem Problem stellen.

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