Die Mittel sind da, der Großschilfpolder dürfte kommen … und was nun?

Die Landesregierung hat die Mittel für den Großschilfpolder eingestellt, so dass wir wohl mehr als ernsthafte Hoffnungen auf eine Realisierung haben können. Aber was passiert jetzt? Und auf was muss die kritische Öffentlichkeit achten. Dies muss unter unter uns diskutiert werden, deswegen hier ein paar Überlegungen.

Ein paar dieser Fragestellungen sind auch vom Vorsitzenden des NABU Damme, Werner Schiller, in einer Stellungnahme gegenüber der Oldenburgischen Volksszeitung thematisiert worden.

  1. Er verweist zurecht darauf, das der Großschilpolder nur die Symptome bekämpft. Das heisst wegen dem Polder wird nicht weniger Phosphat und Nitrat ausgebracht, es landet nur nicht mehr im Dümmer (wenn den alles fertig ist).
  2. Bis der Großschilpolder wirkt wird es dauern. Zuerst muss der Bau reibungslos ablaufen und dann braucht das System eine gewisse Zeit bis zur vollen Leistungsfähigkeit. Experten rechnen mit 8-10 Jahren.
Ergänzend zu diesen Aussagen bleiben aus meiner Sicht eine Menge offener Fragen weiterhin zu bearbeiten. Die folgende Aufzählung soll deshalb auch nur eine Anregung zur Diskussion aus meiner Sicht sein:
  1. Wir müssen die Planungen für den Großschilfpolder weiter begleiten. 
  2. Alle Interessengruppen müssen zusammenwirken um Verzögerungen im Planfeststellungsverfahren des Polders zu minimieren. Hier sei an die Verzögerungen bei der Bornbachumleitung erinnert. Denn:
    Der Polder muss so schnell wie möglich kommen.
  3. Wir müssen auf die Details dieser Planungen weiter beobachten, was ist z.B. mit den laufenden Kosten des Betriebs?
  4. Wir müssen die Sitzungen des Dümmer-Beirates und anderer Gremien beobachten und begleiten. Es muss Ziel sein zu klären welche kurzfristigen Maßnahmen Sinn machen und umgesetzt werden müssen.
    Denn Touristiker und Anwohner vor Ort haben keine 8 Jahre Zeit, wenn die Zustände wieder so werden wie in diesem Sommer.
  5. Die Verursacher müssen mit in den Fokus genommen werden. Es muss über Maßnahmen zu einer kurzfristigen Absenkung der Belastung geredet werden ( Überwachung und Verschärfung der Düngemittelverordnung, Randstreifenprogramme, Überprüfung der Einleitung über Drainagen usw.).
  6. Wir müssen aufpassen das das Verursacherprinzip nicht umgekehrt wird. Stellungnahmen beim letzten Dümmer-Forum, nachdem die Kosten einer Dümmer-Sanierung auch von den Nutzern z.B. über eine höhere Befahrensgebühr getragen werden müssten, sind kontraproduktiv.
    Die Belastung und daraus resultierenden Kosten sind doch nicht Folge von Wassersport, Touristik oder dem Naturschutz, sonder der intensiven Landwirtschaft.
    Ein Landwirt wird für Flächenstillegungen oder Extensivierung des Anbaus subventioniert und mit Entschädigungsleistungen bedacht., aber was ist. z.B. mit den Touristikern. 
    Weil „Müll“ aus der Landwirtschaftlichen Produktion in zu hohen Maße aufgebracht wird, ist das Ökosystem Dümmer vor dem Kollaps und damit auch die Existenzgrundlage der Anwohner vor Ort.
    Kriegen die eine Entschädigung? Nein!!
    Aber es wird offen über eine höhere Beteiligung von Anwohnern und Nutzern nach gedacht. Das wäre etwas wogegen wir uns wehren müssen. Wir sollten von Anfang an offensiv dagegen arbeiten und unseren öffentlichen Einfluss geltend machen!
Als Fazit bleibt für mich: Die Sanierung hat wieder begonnen und wir danken allen Beteiligten für diesen Erfolg. Gerne hätten wir dieses Ergebniss ein paar Jahre früher gehabt, aber anscheinend muss erst der Leidensdruck durch die Fakten und die aktive öffentliche Meinung höher sein.
Aber: der Dümmer ist noch nicht gerettet und wir müssen wachsam und aufmerksam bleiben um unser Revier zukunftsfähig zu halten, bzw. zu gestalten!

Über Thomas Bunte

Thomas Bunte ist freiberuflicher Projektleiter und Web-Entwickler, aber vor allem überzeugter "Dümmeraner". Von Geburt an verbringt er die Wochenenden und weite Teile der Ferien am Dümmer!

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3 Kommentare
  1. Wolfram Pilgrim, SCC sagt:

    Bleibt realistisch !!!!
    Ich möchte die positive Stimmung nicht zerstören, aber wir reden hier über eine Verpflichtungsermächtigung, die letztendlich nur einen Wechsel auf die Zukubft bedeutet, von dem noch nicht sicher ist, ob dieser auch eingelöst wird. Eingestellt wird diese Verpflichtung in den Haushalt 2013 zur möglichen Auszahlung in 2014 und 2015.
    Da im Januar 2013 im Land Niedersachsen gewählt wird, ist der Koalitionsbeschluss von CDU und FDP möglicherweise wenig wert.
    Abgesehen davon wird ein Schlilfpolder frühestens in 10 Jahre seine Wirksamkeit beweisen können.
    Das Aufspüren der Ursachen und Verursacher muss mit größerem Nachdruck verfolgt werden, wir sollten aufgrund des jetzigen Erfolges uns nicht zurücklehnen, noch ist nichts erreicht!
    Die Umsetzung von Gewässerrandstreifen, die Einhaltung der Düngeverordnung sowie die Verfolgung illegaler Direkteinleiter bringt kurzfristig messbare Verbesserungen und wird die Kosten für die nachgeschalteten Sanierungsmaßnahmen auch reduzieren.
    Die Vorschläge von Walter Goldbecker sollten im Winter ernsthaft weiter verfolgt werden.

    • Walter Goldbecker sagt:

      Hallo Wolfram Pilgrim SCC, und alle Dümmer-Segelclub-Vorsitzenden

      Es geht noch weiter, das Güllen muss im gesamten Hunte-Einzugsgebiet südlich vom Dümmer bis zum Mittellandkanal sofort eingestellt werden. Gesetztesgrundlagen müssen geändert werden.

      >>>>>>Hierzu Kommentart von Edelgard Brinkmann aus Visbek bei Vechta. (Gülle-Transport-Unternehmer) im SPIEGEL 8/2011<<<<<<

      Unklare Gesetze ermöglichen Betreibern von Tiermast- und Biogasanlagen, ganze Regionen mit Gülle zu fluten. Grundwasser und Gesundheit leiden.

      Edelhard Brinkmann führt seit 20 Jahren eine Privatbank in Visbek bei Vechta, zwischen Maisfeldern und einem Schweinemastbetrieb, der den Geruch der Gegend bestimmt. Wenn jemand etwas einzahlen will auf seiner Bank, dann schickt er einen der zwölf blauen Laster vorbei, die auf dem Hof warten.

      Gut tausend Kunden vertrauen Brinkmanns "Güllebank Weser-Ems" ihre tierischen Ausscheidungen an. Er holt Gülle, Jauche und Mist überall da ab, wo sie übrig sind, und karrt sie dorthin, wo sie gebraucht werden. Quer durch die Region, 300 000 Tonnen im Jahr.

      Als die Güllewelt noch einigermaßen in Ordnung war, gab es Schweinegülle und Rindergülle. Deutschlands Gülle war, sozusagen, ein langer, ruhiger Fluss. Aber neuerdings stört diesen Fluss eine Gülle, die nicht Gülle genannt werden darf. Die auch nie auf einem von Brinkmanns Lkw landet, obwohl sie tonnenweise anfällt – und dadurch zu einem Problem für Böden und Gewässer wird. "So geht das nicht weiter", sagt Brinkmann.

      Gülle ist ein "Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft", so definiert sie die Düngeverordnung aus dem Jahr 1996, die eine EU-Richtlinie von 1991 zum Schutz der Gewässer vor Nitrat umsetzt. Mais war noch eine Futterpflanze.

      Heute wird Mais zum großen Teil in Biogasanlagen in Energie umgewandelt. Der Fachverband Biogas sagt voraus, dass Ende des Jahres 7000 Anlagen im Land stehen werden, gut tausend mehr als 2010. Insgesamt produzieren sie nicht nur 17,8 Millionen Megawattstunden Strom, sondern auch mehr als 50 Millionen Tonnen Gärreste aus Energiepflanzen.

      Beim Umweltbundesamt (UBA) sorgt man sich um diese "Gärresteproblematik". Denn Gärreste der Energiegülle haben einen ähnlich hohen Nährstoff- und damit Düngewert wie Gülle. "Wirtschaftsdünger pflanzlicher Herkunft wirkt genauso wie tierischer", sagt der Fachgebietsleiter für Binnengewässer, Volker Mohaupt, "nur hat es ihn Anfang der Neunziger noch nicht in relevanten Mengen gegeben." Deswegen fallen pflanzliche Gärreste auch nicht unter die Höchstgrenzen, die laut Düngeverordnung auf den Feldern verteilt werden dürfen. Und die Agrarlobby kämpft dafür, dass das auch so bleibt.

      Höchstgrenzen sind nötig, weil tierische Gülle einige Regionen stark belastet. Früher hat man aufs nächste Feld verteilt, was im Stall angefallen war. Für den Bauern war das einfach, für die Umwelt ein Problem: Drei Viertel des deutschen Trinkwassers stammen aus dem Grundwasser. Dorthin gelangen die aus dem Stickstoff im Boden umgewandelten Giftstoffe Nitrit und Nitrat. Das belastete Trinkwasser ist vor allem für Säuglinge gefährlich: Im schlimmsten Fall kommt es zur lebensbedrohlichen Blausucht. Außerdem ist Nitrit indirekt krebserregend.

      Das Umweltbundesamt sieht 26,5 Prozent des Grundwassers in einem schlechten Zustand. Besonders hoch ist die Nitratbelastung unter Agrarland, besonders Mais: "Der durch das Gesetz über erneuerbare Energien indirekt geförderte Anbau hat uns in unseren Gewässerschutzbemühungen massiv zurückgeworfen", sagt Jörg Rechenberg, im UBA zuständig für Grundwasserangelegenheiten.

      UBA-Experten fordern schon lange, dass der Begriff Wirtschaftsdünger endlich auch auf Gärreste ausgeweitet wird, damit eine gemeinsame Stickstoff-Höchstgrenze gilt. Das sogenannte Greenwashing funktioniert im Prinzip wie Geldwäsche über eine Pizzeria: "Man lässt die Gülle durch eine Biogasanlage laufen und deklariert das, was hinten rauskommt, als Gärreste", sagt Reinhild Benning, Leiterin der Agrarpolitik beim Naturschutzverband BUND.

      Der Gesetzgeber ist gefordert, der Übergüllung der Böden vorzubeugen. DER SPIEGEL 32/2011

  2. Walter Goldbecker sagt:

    Für den Bau des Gross-Schilfpolders werden 15 Millionen EUR im Haushalt 2014 und 2015 eingeplant. Endlich spricht die regierende CDU und FDP in Niedersachsen klare Worte und gibt Summen vor, die bisher immer nur zögernd am Rande genannt wurden. Dafür sollten wir Dümmeraner den Parteien danken. Sie haben endlich erkannt, dass mit “Kleckern” nichts auszurichten ist sonder mit “Klotzen”

    Aber wiedermal werden die VERURSACHER außen vorgelassen. Hier sollten wir endlich eine Klage an den Eigentümer des Sees vorbereiten. Ob nun eine Unterlassungsklage (Gülleverbot), eine Klage wegen Gesundheitsgefährdung oder wegen dem Tatbestand der Zustandsstörung.

    Hier bestehen gute Aussicht auf Erfolg lt. Dr. Michael Wunderlich, Limnologe (Mitglied im WSVE).

    Hier sollten alle Segelclubs zu einer Sitzung eingeladen werden, um von der Wettfahrtgemeinshaft und IG Dümmer mit 20 Segelclub und sicherlich 1000 Mitglieder eine Strategie zu erarbeiten.

    Ebenfalls sollte die Befahrensgebühr auf den Prüfstand gestellt werden und im nächsten Jahr nicht mehr bezahlt werden, auch gibt es seit Jahren keine Pachtverträge für alle Vereine außer dem HSV.

    Vorstand SCED

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