Stellungnahme von Jürger Pfeiffer, Gewässerwart und Naturschutzbeauftragter eines Fischereivereines, zur Diskussion

Die Diskussion die ein Artikel in der Kreiszeitung zum Thema Fischbestand ausgelöst hat, führte nach aussen wieder einmal zur Darstellung eines Disputs zwischen Angler und Vogelschützern. Wie hier schon dargestellt sollten die „Freunde des Dümmers“ sich nicht auseinander dividieren lassen, da das nur von den Verursachern der Probleme ablenkt, die alle Interessengruppen schädigen.

In diesem Sinne hier auch eine Stellungnahme von Jürgen Pfeiffer, Gewässerwart und Naturschutzbeauftragter eines Fischereivereines, zu diesem Thema!

In dem zitierten Bericht wird natürlich gleich wieder der Konflikt  zwischen Anglern und Vogelschützern geschürt. Aber wer diesen Artikel richtig gelesen hat, wird gemerkt haben, dass das absolut nicht die Zielsetzung dieses Pressetermins war. Nicht nur wir Angler, sondern auch andere können sich den Dümmer ohne Fische wirklich schlecht vorstellen. Ohne diese Fische fehlt eine komplette Ebene in der Nahrungspyramide eines Sees. Und das kann und darf ja wohl nicht sein, denn Fische haben eine sehr wichtige Funktion in einem solchen Ökosystem. Am besten ist das daran zu erkennen, dass, obwohl die Nährstoffzufuhr (das im Wasser gelöste Phosphat) schon reduziert war, es erst 2001 nach dem Zusammenbruch des Fischbestandes zum Auftreten der Blaualgen gekommen ist. Im Dümmer gab es vorher schon wesentlich höhere Phosphatlasten. Erst der Zusammenbruch des Fischbestandes hat den Blaualgenwuchs möglich gemacht, erst durch das klare Wasser kann das Sonnenlicht bis auf den Seeboben dringen und die Blaualgen aktivieren und diese können, da sie keine Nahrungskonkurrenz durch (harmlose) Grünalgen mehr haben, ungehindert wachsen. Mit einem normalen Fischbestand wäre das nicht der Fall.

Diese klare Wasser ist erwünscht – aber es wirkt erst nach der Sanierung des Dümmers! Und genau das sollte auf diesem Termin dargestellt werden – die nötige Sanierung des Dümmers und des Einzugsgebietes wird absolut nicht in Frage gestellt, denn der Zusammenhang zwischen zwischen den Nährstoffen und den Blaualgen kann genauso wenig geleugnet werden wie der Zasammenhang zwischen dem massiven Auftreten von Blaualgen und dem fehlenden Fischbestand unter den jetzigen Bedingungen im Dümmer.

Die angedachten Maßnahmen zur Dümmersanierung brauchen ihre Zeit – geschätzte 10 bis 15 Jahre, bis sie wirklich greifen. Die Verbesserung des Fischbestandes soll eine unterstützende Maßnahme sein, um dem Dümmer die dafür nötige Zeit auch zu geben..
Das massive Auftreten der Kormorane hat aber auch noch andere Wirkung: Die Rohrdommel, die Zwerg- und Haubentaucher, also Vogelarten, die ebenfalls auf Fisch als Nahrung angewiesen sind, sind am Dümmer selten geworden, oder wie die Rohrdommel, ganz verschwunden. Grund: Aufgrund des zusammengebrochenen Fischbestandes müssten sie sonst verhungern.

Jürgen Pfeiffer
Gewässerwart und Naturschutzbeauftragter eines Fischereivereines

Über Thomas Bunte

Thomas Bunte ist freiberuflicher Projektleiter und Web-Entwickler, aber vor allem überzeugter "Dümmeraner". Von Geburt an verbringt er die Wochenenden und weite Teile der Ferien am Dümmer!

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6 Kommentare
  1. Jürgen Pfeiffer sagt:

    Es mag ja sein, dass ich mich mit der Rohrdommel vergriffen habe, ändert aber nichts an den Tatsachen.
    Der Dümmer braucht seine Zeit, um saniert zu werden. Die 10 – 15 Jahre sind nicht aus der Luft gegriffen.
    Fische aus der Hunte können den See nicht wieder ausreichend bevölkern, die Abläufe aus dem Dümmer, also Lohne und Grawiede sind durch die Blaualgen so schwer geschädigt, dass hier praktisch keine Fische mehr vorhanden sind. Es ist nämlich nicht „nur“ der Dümmer, der betroffen ist, sondern das gesamte Flusssystem Hunte,das unter diesen Blaualgen leidet.

    Leider ist es so: Selbst wenn die Landwirtschaft ab heute oberhalb vom Dümmer im Einzugsgebiet der Hunte keine Gülle mehr ausbringen würde, bräuchte der Dümmer die 10 – 15 Jahre, um saniert zu werden!

    • C. Kosanetzky sagt:

      Ich bitte folgendes zu bedenken: Der Zusammenhang zwischen dem gehäuften Auftreten rastender Kormorane und dem Rückgang des Fischbestandes (wo ist der eigentlich dokumentiert – ich würde das – aus ehrlichem Interesse – gerne mal im Original nachlesen) ist eine These. Im letzten Jahr hatten im benachbarten NRW viele größere Seen eine ähnliche Blaualgen Problematik und auch viele niedersächsische Gewässer litten darunter. Das trifft meines Wissens also auf zahlreiche Fälle zu, wo größere Rastzahlen der Kormorans wie bei uns am Dümmer nicht vorkommen. Außerdem erinnern sich viele Segelfreunde an die wirklich schauerliche Situation mit riesigen Mengen von verendenden und nach Luft schnappenden Fischen im letzten Sommer – daher sollte die Frage erlaubt sein, ob nicht die Schädigung der Fischfauna durch die Blaualgen die größere Rolle spielt – und wenn die Situation in Lohne und Grawiede ebenfalls so prekär bleibt – ist dann die Verbesserung des Fischbestandes wirklich nachhaltig erreichbar, solange die Gewässersituation sich nicht grundlegend verbessert? Ich fürchte, das nächste Fischsterben kommt bestimmt…… und bin gleichzeitig überzeugt, dass eine grundlegende Verbesserung der Wasserqualität weit mehr (auch für die Fischfauna) bringen wird, als die ganzen anderen angedachten Maßnahmen zusammen.

      • Jürgen Pfeiffer sagt:

        Zur Entwicklung der Fischbestände im Dümmer gab es 2 Vermerke des damaligen NLÖ (Nieders. Landesamt für Ökologie), heute LAVES, Dezernat für Binnenfischerei mit dem AZ.: 3.8.2-65503-2.45S vom 13.09.2001 und vom 22.04.2002.
        Dort ist der Zusammenhang zwischen Fischbestand und Kormoran dargestellt.

  2. C. Kosanetzky sagt:

    Hier werden einige unzulässige Schlüsse gezogen:

    die Rohrdommel ist als Brutvogel am Dümmer verschwunden, da die Schilfbestände immer mehr in Mitleidenschaft gezogen werden, nach den großflächigen Mähaktionen des Kreises 87/88 und dem nachfolgenden starken eisganges war meines Wissens das Brutvorkommen erloschen. Die meisten Dommeln werden am Dümmer als Wintergäste vermeldet. Übrigens ist die Art in ganz D inzwischen sehr selten mit nur rund 450 – 500 Brutpaaren. Ich meine man soll die ganze Sache vom Kopf auf die Füße stellen: See sanieren, möglichst naturnahe Verhältnisse wiederherstellen (der Dümmer ist kein Gülleklo!) – und die Kosten der Landwirtschaft abverlangen, anstatt Brunnenvergifter weiter zu subventionieren – aber dem steht wohl unsere „Lobby-Domokratie“ entgegen…
    Gehts dem Dümmer werden sich wohl auch dei Fischbestände relativ rasch stabilisieren – immerhin ist er ja von der Hunte durchflossen und hat damit eine Zuwandermöglichkeit für Fische!

  3. Jürgen Pfeiffer sagt:

    in dem Satz:
    Die angedachten Maßnahmen zur Dümmersanierung brauchen ihre Zeit – geschätzte 10 bis 15 Jahre, bis sie wirklich greifen. Die Verbesserung des Fischbestandes soll eine unterstützende Maßnahme sein, um dem Dümmer.
    hat sich leider eine Lücke eingeschlichen !
    Es fehlt: … um dem Dümmer die dafür nötige Zeit auch zu geben.

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