Treffen Gebietskooperation Hunte am 05. Oktober imSchäferhof

Die Gebietskooperation Hunte ist eine „Institution“ die ich bisher auch noch nicht kannte. Die Gebietskooperationen wurden im Jahr 2004 auf Erlass des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt und Klimaschutz eingerichtet und sollen die in der EU Wasserrahmenrichtlinie geforderte Öffentlichkeitsbeteiligung sicherstellen.

Für den NUVD war Michaela Köhr-Eickhoff beim Treffen der Gebietskooperation Hunte am 05.10. anwesend. Im folgenden Ihr Bericht von der Veranstaltung, mit einigen sehr interessanten Fakten über Ursachen und Prozesse die die gravierende Situation in diesem Jahr bewirkt haben könnten!

„Die Gebietskooperation Hunte soll den Dialog zwischen Verwaltungen, wasserwirtschaftlichen Akteuren und Fachöffentlichkeit in Hinsicht auf die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie herstellen.Ich konnte als NUVD-Mitglied an dieser Veranstaltung teilnehmen. Hier ein kurzer Abriss:

Herr Schuster vom NLWKN hat ein Referat zur Dümmerproblematik gehalten, in dem er sich vor allem auf eine Veröffentlichung seiner Behörde bezogen hat. Diese Veröffentlichung habe ich bereits gelesen und die ist für diejenigen, die sich für die ökologischen Zusamenhänge in Gewässern wie dem Dümmer interessieren, wärmstens zu emfehlen.
Das Werk geht in Bezug auf die Waserrahmenrichtlinie auf Auswahl, Prioritätensetzung und Umsetzung von Maßnahmen zur Entwicklung der großen niedersächsischen Seen ein. Es ist wirklich beeindruckend, wieviel Sachverstand beim NLWKN vorhanden ist. Es mangelt offensichtlich nicht an Erkenntnissen und fehlender Planung, sondern ausschließlich am politischen Willen und am Geld.

Die besonders prekäre Situation der letzten beiden Jahre erklärte Herr Schuster durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren. Lange Eis auf dem See, dann ein schönes Frühjahr mit intensiver Sonneneinstrahlung, also frühe Bildung von Algen. Dabei historisch niedriger Fischbestand, folglich extreme Vermehrung der Wasserflöhe( die sonst von den Fischen gefressen werden),diese wiederum fressen alle Algen bis auf die bösen, die uns so viel Sorgen machen.
Die Cyanobakterien haben dann freie Bahn, keine Konkurrenz mehr und vermehren sich überschiessend mit den bekannten Folgen. Die Bakterien bilden , um sie gänzlich unsympatisch zu machen, dann gegen Ende des Jahres Dauerzellen, die fürs nächste Jahr bereits in den Startlöchern stehen.

Herr Schuster zog am Ende das Fazit, dass zur Dümmergesundung neben der Bornbachumleitug auch der Bau eines Großschilfpolders nötig sei. Nebenbei müssten natürlich die Einleitungen von Phosphaten durch Anlegung von Ackerrandstreifen etc. und die konsequente Umsetzung der Düngemittelverordnung verringert werden.
Soweit hat sich also an den wissenschaftlichen Erkenntnissen in den letzten 30 Jahren seit Herrn Ripl eigentlich nichts wesentliches geändert.

Was die Düngemittelverordnung anbetrifft, gab es für mich eine neue Erkenntnis. Das Ziel dieser Verordnung ist, „durch einen schonenden Einsatz von Düngemitteln und eine Verminderung von Nährstoffverlusten langfristig die Nährstoffeinträge in die Gewässer und andere Ökosysteme zu verhindern“.
Das hört sich richtig gut an, aber unwidersprochen blieb die Aussage von Hern Vogel vom Landkreis Diepholz, dass es kein funktionierenden Kataster gebe, mit dem kontrolliert werden kann, ob Güllenachweisflächen tatsächlich nur von einem oder vielleicht gleich von mehreren Landwirten belegt werden.
Mir scheint, die Düngemittelverordnung ist nicht mal das Papier wert, auf dem sie gedruckt ist.Ansonsten ist die Anlegung von Ackerrandstreifen durchaus in Planung, aber ganz schwer zu realisieren, da Flächen im Augenblick extrem teuer und knapp sind. Kurzfristige Maßnahmen, um den Dümmer in den nächsten Jahren zu entlasten, wurden als nicht durchführbar abgeschmettert.

So weit, so schlecht, wir können kurzfristig tatsächlich nur auf günstigeres Wetter hoffen. Nichtsdestoweniger habe ich das Gefühl, der Druck auf die Behörden hat sich auch durch unsere Aktivitäten deutlich erhöht.

Michaela Köhr-Eickhoff“

Mitglieder des regional agierenden Gremium der Gebietskooperation Hunte sind Vertreter der nachfolgend aufgelisteten neun Organisationen:

  1. Unterhaltungsverbände
  2. Naturschutzberbände
  3. Landkreise und Gemeinden
  4. Wasser- und Schifffahrtsverwaltung
  5. Wasserversorger
  6. Landeswasserwirtschaft
  7. Angel- und Fischereiverbände
  8. Landvolkverbände
  9. Land- und Forstwirtschaft
Mehr Details auf der Website der Gebietskooperation http://www.hunte-25.de/

Über Michaela Köhr-Eickhoff

Michaela Köhr-Eickhoff ist eine echte Dümmeranerin. Nachdem Sie früher als Wochenend- und Urlaubsgast regelmäßig am Dümmer war, wohnt Sie seit langem fest in Lembruch und vermietet dort u.a. Ferienhäuser.

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Ein Kommentar
  1. W.G. sagt:

    Aussage von einem Mitarbeiter vom Gesundheitsamt auf Grund einer Anfrage vom 29.08.11 (Mitarbeiter möchte anonym bleiben)

    Für das Gesundheitsamt ist der Verursacher der ganzen Tragödie eindeutig die inzwischen „industrielle Landwirtschaft“. Hier muß der Hebel angesetzt werden.
    Die Idee Schilfpolder anzulegen kann teilw. helfen. Allerdings müsste dies mindestens 200 ha sein. Gegen solche Anlagen steuert wohl wiederum der Naturschutz. Zudem müsste das Land Flächen hierfür von der Land-Wirtschaft aufkaufen. Problem: vorher kostete der qm ca. 1 €. Jetzt müsste das Land 7, 8 oder gar 9 € pro qm zahlen. Ein Herr vom Umweltamt Hannover soll bereits signalisiert haben, dafür überhaupt kein Geld mehr zu haben. DerHaushalt sei schon fast pleite.
    Alle Maßnahmen, um Einträge von Stickstoffen und Phosphaten zu mindern werden sich schwierig gestalten, weil die „Giftstoffe“ nicht nur über bekannte Zuflüsse und Grundwasser in die Hunte und Dümmer gelangen. Und das vor allen Dingen im Osnabrücker Raum. Vor allen Dingen nach dem wasserkreuz Mittellandkanal. Es gibt angeblich viele kleine Kanäle, die auch noch mit einer darunterliegenden Drainage versehen sind. Ganz schlimm !
    Damit gelangen besagte Stoffe unkontrolliert in den Zufluss zum See.
    Dazu kommt noch, dass diverse Großbetriebe ihre Felder bis an den Rand der Hunte
    nutzen. Es geht also von den Feldern gleich in die Hunte.
    Die Landesregierung muß also unter Druck gesetzt werden, damit sie auf die Bauern-verbände massiv einwirkt, Einträge zu mindern oder ganz zu stoppen.

    Angesprochen auf die Befahrungsgebühr (wir zahlen 80 € pro Platz, es waren mal über 2000 Boote am Dümmer zugelassen) und dieses Geld geht zudem an das Landwirtschaftsministerium, also nicht an das Ministerium für Umweltschutz. Warum?
    W. G.

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